Brauchst du überhaupt ein Anschreiben?

Lass uns erstmal die Begriffe klären, die dir in einer Stellenausschreibung begegnen — und was sie für dich konkret bedeuten.

Anschreiben oder Motivationsschreiben — was ist eigentlich was?

Anschreiben und Motivationsschreiben werden oft synonym benutzt. Sie sind es nicht.

Ein Anschreiben ist der klassische, kurze Begleittext zu einer konkreten Stellenanzeige. Es beantwortet eine Frage: Warum passt du zu genau dieser Stelle, bei genau diesem Unternehmen? Meist eine Seite, direkt auf die Anzeige bezogen, mit konkreten Beispielen aus deinem Werdegang.

Ein Motivationsschreiben ist freier. Es wird häufiger bei Studienplätzen, Stipendien oder Förderprogrammen verlangt und beantwortet eine andere Frage: Warum willst du das hier grundsätzlich machen? Es darf persönlicher und ausführlicher sein.

In der Praxis meinen viele Unternehmen mit „Motivationsschreiben“ trotzdem dasselbe wie mit „Anschreiben“. Lies die Stellenanzeige genau — ein Motivationsschreiben für ein Traineeprogramm darf länger und persönlicher sein, ein Anschreiben für eine konkrete Stelle sollte knapp und zielgerichtet bleiben. Für den Rest dieses Artikels meine ich mit „Anschreiben“ beides zusammen.

Hände schreiben mit einem Füller einen Brief auf einem Holzschreibtisch, im Hintergrund eine dampfende Tasse Tee und ein aufgeschlagenes Notizbuch

Jetzt zur eigentlichen Frage: Brauchst du überhaupt ein Anschreiben?

Die Antwort ist nicht überall gleich. Sie hängt davon ab, wo du dich bewirbst, und das lohnt sich zu wissen, bevor du Stunden in ein perfektes Anschreiben investierst, das am Ende niemand liest.

Wo der Lebenslauf reicht

In einigen Bereichen ist das Anschreiben faktisch verschwunden. Lagerlogistik, Handwerk, Gastronomie, Pflege, Einzelhandel — hier zählt vor allem, ob du verfügbar bist und die Grundvoraussetzungen mitbringst. Viele Stellenportale bieten inzwischen direkt einen „Einfach bewerben“-Button an, bei dem nur Name, E-Mail und Lebenslauf gefragt sind.

Auch in IT und Softwareentwicklung ist der Trend ähnlich: Hier zählen Hard Skills, ein GitHub-Profil oder konkrete Projekte oft mehr als ein ausformuliertes Motivationsschreiben.

Wo das Anschreiben noch zählt

In anderen Bereichen ist es dagegen weiterhin fest erwartet — teilweise sogar die erste echte „Arbeitsprobe“, die ein Unternehmen von dir sieht. Öffentlicher Dienst, Verwaltung, Kanzleien, klassische Banken, PR und Redaktionen gehören dazu. Hier zeigt das Anschreiben, ob du dich in einer bestimmten Form ausdrücken kannst — das ist Teil dessen, was geprüft wird.

Konzern oder kleiner Betrieb — das macht einen Unterschied

Bei großen Unternehmen liest oft zuerst kein Mensch deine Bewerbung, sondern ein automatisiertes System (ATS – Applicant Tracking System). Es filtert nach Keywords im Lebenslauf, bevor überhaupt jemand draufschaut. Ein Anschreiben landet dort häufig nur als Anhang, der später — wenn überhaupt — noch gelesen wird. Wichtiger ist hier, dass dein Lebenslauf die richtigen Begriffe aus der Stellenanzeige enthält.

Bei kleineren, oft familiengeführten Betrieben ist es umgekehrt: Dort liest häufig noch die Geschäftsführung oder eine einzelne Person aus der Personalabteilung persönlich mit. Ein kurzes, ehrliches Anschreiben, das erklärt, warum du ausgerechnet in diesem Betrieb arbeiten willst, kann hier mehr bewirken als ein perfekt formatierter Konzern-Lebenslauf.

Was das für dich bedeutet

Schau dir die Stellenanzeige genau an, bevor du dich entscheidest, wie viel Zeit du ins Anschreiben investierst:

  • Steht dort explizit „Anschreiben erwünscht“ oder „bitte mit Motivationsschreiben“? Dann schreib eins, und zwar ein gutes.
  • Gibt es nur einen „Direkt bewerben“-Button, der lediglich Lebenslauf und Kontaktdaten abfragt? Dann investiere deine Zeit lieber in einen starken, klaren Lebenslauf statt in ein Anschreiben, das ohnehin niemand liest.
  • Bist du unsicher? Ein kurzes Anschreiben schadet fast nie — aber es sollte dann auch wirklich gut sein, nicht nur pflichtschuldig runtergeschrieben.
Hände tippen auf einem Laptop ein Anschreiben, daneben eine Tasse Kaffee und ein Smartphone auf einem Holztisch

Falls du dich für ein Anschreiben entscheidest: Im nächsten Artikel zeige ich dir, wie ich dabei vorgehe — mit einer einfachen Methode, die auch dann funktioniert, wenn du noch keine klassische Berufserfahrung hast.