Wo ich gerade stehe: Nürnberg, Banja Luka, Šipovo und der Anfang von Most

Vier Immobilien, vier Geschichten

Ich besitze aktuell vier Immobilien — eine in Deutschland, drei in Bosnien. Und keine davon ist auf demselben Weg zu mir gekommen.

Die Wohnung hier in Nürnberg ist eigentlich dieselbe Geschichte wie Banja Luka — nur dass sie bereits vermietet war, als ich sie geerbt und geschenkt bekommen habe. Ich habe selbst von 2009 bis 2013 dort gelebt, bin dann aber bewusst in die Nähe meiner Eltern gezogen, um sie zu unterstützen — beide waren nicht mehr die Jüngsten. Ich wohne bis heute direkt neben meiner Mutter.

Banja Luka ist die Geschichte, die am meisten wiegt. Mein Vater ist vor knapp acht Jahren verstorben und hat mir einen Teil seines Anteils vererbt. Meine Mutter hat mir später ihren Anteil geschenkt. Seitdem gehört mir das Haus.

Šipovo — das Haus— haben mir meine Eltern gekauft, als ich vierzehn war, und sofort auf mich überschrieben. Ein Geschenk, lange bevor ich überhaupt verstehen konnte, was es bedeutet, so früh schon Eigentümerin zu sein.

Und dann gibt es noch ein zweites Haus in Šipovo, das perspektivisch als Retreat dienen soll. Das hat meine Mutter einem guten Freund abgekauft und mir geschenkt.

Vier völlig unterschiedliche Wege, an Besitz zu kommen. Und trotzdem hängt an jedem einzelnen dasselbe Gefühl: Verantwortung für etwas, das ich mir nicht ausgesucht habe, sondern das mir anvertraut wurde.

Abendstimmung über Šipovo mit Minarett und Wohnhäusern im Sonnenuntergang, Bosnien und Herzegowina

Acht Jahre, in denen mir die Kraft fehlte

Nach dem Tod meines Vaters hatte ich weder die Ideen noch die Inspiration noch, ehrlich gesagt, die Kraft, mich um all das zu kümmern. Man erbt nicht nur eine Immobilie. Man erbt auch die Frage, was man damit tun soll, während man eigentlich noch mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist.

Verkaufsanfragen gab es einige über die Jahre. Ich habe sie alle abgelehnt. Nicht, weil ich einen Plan hatte, sondern weil sich Verkaufen von Anfang an falsch angefühlt hat. Emotional bin ich an dieses Haus gebunden — es ist das Letzte, was von meinem Vater über meine Mutter zu mir gekommen ist.

Aber „nicht verkaufen, ohne einen Plan zu haben“ hat einen Preis. Die Kosten stapeln sich Jahr für Jahr. Es gibt Ärger mit Nachbarn. Um den Garten kümmert sich niemand mehr. Und wenn ich dann im Urlaub bin und am Haus vorbeikomme, bricht es mir jedes Mal ein Stück das Herz, zu sehen, wie marode und trist alles inzwischen aussieht.

Zwei Dinge, gleichzeitig, das ganze letzte Jahrzehnt: die Bindung an meinen Vater, die mich nie verkaufen ließ — und die Überforderung, die mich nie wirklich anfangen ließ.

Der Umweg, der mich sehend gemacht hat

Bevor ich überhaupt an meine eigenen Immobilien gedacht habe, habe ich Ferienwohnungen für andere aufgebaut — Inserate auf Booking und Airbnb optimiert, Vermarktung, Kommunikation mit Gästen. Es lief. Richtig gut sogar.

Und irgendwann, mitten in der Arbeit für andere Leute, kam der Gedanke, der sich nicht mehr wegschieben ließ: Warum mache ich das für fremde Häuser, während meine eigenen Immobilien in Bosnien einfach nur dastehen? Der Umweg über andere hat mir am Ende die Augen für mein eigenes Chaos geöffnet.

Als die Wohnung in Nürnberg leer war — bis auf den nackten Boden

Vor zwei Jahren kam für die Wohnung hier in Nürnberg der nächste Tiefschlag. Die Mieter mussten die Wohnung unter schwierigen Umständen verlassen — und haben dabei alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war, sogar den Boden. Ich stand vor einer Wohnung, die bis auf die Wände leer war.

Seitdem lief die Sanierung. Stück für Stück, mit allem, was dazugehört: Handwerker koordinieren, Entscheidungen treffen, Geld investieren — in eine Immobilie, die ich eigentlich vermieten will, sobald sie fertig ist. Der Boden ist inzwischen neu verlegt, ein großer Schritt ist also schon geschafft.

Zwischen dem geerbten Haus, das langsam verfällt, weil mir die Kraft fehlte, und der Wohnung, die buchstäblich bis auf den Boden ausgeräumt wurde, wird mir eins klar: Es gibt so viel, das schiefgehen kann, wenn man Immobilienbesitzerin ist, egal ob im Ausland oder direkt vor der eigenen Haustür. Und es gibt so viel, das man im Nachhinein anders gemacht hätte.

Was aus alldem werden soll

Ehrlich gesagt: Vermietet ist noch keine der drei bosnischen Immobilien. Alles ist gerade in Planung. Auch die Wohnung in Nürnberg steht mitten in der Sanierung, bevor sie überhaupt vermietbar ist.

Genau deshalb schreibe ich diesen Blog jetzt und nicht erst, wenn alles läuft und ich fertige Erfolgsgeschichten erzählen kann. Ich will diesen Weg von Anfang an dokumentieren — mit den offenen Fragen, den ersten Schritten, und ja, auch mit dem Garten, der noch nicht in Ordnung ist.

Ich nenne das, was daraus entstehen soll, „Most“ — bosnisch für Brücke. Weil es genau das ist, was ich gerade versuche zu bauen: eine Verbindung zwischen einem Leben in Deutschland und Häusern, die tausend Kilometer entfernt auf mich warten und langsam verfallen, wenn niemand hinschaut. Zwischen der Diaspora-Erfahrung, die vermutlich viele von euch kennen, und der sehr praktischen Frage, was man eigentlich tut, wenn man Immobilien besitzt, aber nicht ständig vor Ort sein kann.

Ich möchte euch mitnehmen auf diese ganze, komplizierte Reise — ohne rechtliche Belehrungen oder fertige Patentrezepte, sondern einfach ehrlich zeigen, was alles schiefgehen kann, worauf es bei einem guten Listing wirklich ankommt, und was ich selbst anders machen würde, wenn ich es noch einmal könnte. Dieser Blog ist erstmal genau das: ein Ort, an dem ich teile, was ich lerne. Kein Verkaufsangebot, keine Beratung — dafür ist es noch zu früh, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass daraus später einmal ein Beratungsangebot wird. Aktuell geht es nur darum: teilen, was ich gerade selbst durchlebe.

Wenn du selbst eine Immobilie geerbt, geschenkt bekommen oder gekauft hast und ähnliche Fragen — oder ähnliche Schuldgefühle — mit dir herumträgst: dann bist du hier genau richtig. Ich freue mich, wenn du mitliest.


Das ist der erste Beitrag einer neuen Reihe. In den nächsten Wochen und Monaten teile ich hier, was ich auf dem Weg lerne — von der Fernverwaltung bis zu den ganz praktischen Fragen, die sich stellen, wenn ein Haus tausend Kilometer entfernt steht.

Drei Orte, vier Geschichten — und der Anfang von allem, was noch werden soll.

Verwittertes Wohnhaus mit rotfarbener Fassade und überdachtem Balkon in Banja Luka, Bosnien

Banja Luka

Vererbt von meinem Vater, geschenkt von meiner Mutter — die Immobilie, die am meisten wiegt.

Leerer Raum mit Holzboden und Bauschutt während der Sanierung einer Wohnung in Nürnberg

Wohnung Nürnberg

Geerbt, vermietet übernommen — und vor zwei Jahren bis auf den nackten Boden leer geräumt. Die Sanierung läuft, Stück für Stück.

Rotfarbenes Einfamilienhaus mit gepflegtem Garten und Metallzaun bei Sonnenuntergang in Šipovo

Šipovo I

Mit vierzehn haben mir meine Eltern dieses Haus geschenkt. Lange bevor ich verstehen konnte, was es heißt, Eigentümerin zu sein.

Zweistöckiges Haus mit rotem Ziegeldach, vorgesehen als künftiges Retreat in Šipovo

Šipovo II

Von meiner Mutter einem Freund abgekauft und mir geschenkt — hier soll eines Tages das Retreat entstehen.